Bluesfreaks, Tramps und Hippies in der DDR
von Michael Rauhut, Thomas Kochan
Sie nennen sich Kunden, Tramper oder Blueser, tragen lange Haare und
Bärte, Jesuslatschen, Jeans und Shell-Parkas. An den Wochenenden sind
sie permanent auf Achse. Sie feiern in abgeschiedenen Dorfsälen den
Ausstieg aus der DDR, okkupieren den Karneval im thüringischen Wasungen
und reichen während der Ostberliner Bluesmessen die Rotweinflasche durch
die Bank. Zu Ostern pilgern sie nach Prag, im Sommer ans Schwarze Meer
und im Herbst nach Krakau. Ihr Leitbild bleiben bis in die achtziger
Jahre die Ideale der Hippiebewegung, der Geist von Woodstock. Musik ist
der Motor. Sie lieben das Handgemachte, Echte: Folk, Southern Rock, vor
allem aber heißen, elektrischen Blues. Monokel, Engerling, Stefan
Diestelmann, Jürgen Kerth, Freygang oder Keimzeit sind die Helden des
Undergrounds.
Vierzig Essays zeichnen das Bild einer unruhevollen Jugend. Namhafte
Publizisten, Musiker und Szeneoriginale berichten aus unterschiedlichen
Perspektiven Über historische Entwicklungslinien, einschneidende
Ereignisse und den Stoff, aus dem die Träume sind. Mit Beiträgen von
Christoph Dieckmann, Olaf Leitner, Jürgen Balitzki, Christian "Kuno"
Kunert, Theo Lehmann, Ruth Leiserowitz, Tilo Köhler, Fritz Rau, Kay
Lutter u.a.
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